Die Freiwilligkeit ist der Preis der Freiheit

Text: Hansjürg Jäger

Jürg Maurer: «Die Freiwilligkeit ist der Preis der Freiheit» Jürg Maurer ist für das aktive Migros-Lobbying zuständig. Als Migros-Lobbyist vertretet er die Interessen der Detailhändlerin gegenüber Politik, Verwaltung und anderer Organisationen in Bern. Maurer beobachtet, dass agrarpolitische Diskussionen häufig emotional verlaufen, «weil es ein Thema ist, bei dem alle ein bisschen mitreden können. Man weiss, was Landwirtschaft sein könnte.» Hinzu kommt der Druck der Trinkwasser- und Pestizidverbots-Initiative, die für eine gewisse Nervosität sorgen. Wie Maurer sagt, haben ein Teil der Landwirtschaft und ihrer Verbände es verpasst, «rechtzeitig auf Umweltthemen zu reagieren.» Dennoch: Überdramatisieren will er die Situation nicht.   Jetzt Podcast mit Jürg Maurer hören  
Jürg Maurer ist stv. Leiter der Direktion Wirtschaftspolitik des Migros-Genossenschafts-Bund   Jetzt Podcast mit Jürg Maurer hören   “Die Migros ist immer lösungsorientiert”, betont Jürg Maurer im Gespräch. Deshalb hat sich der orange Riese für die Beratung der Agrarpolitik ab 2022 eingesetzt – weil diese Strategie aus Sicht der Migros Lösungen für die Zukunft bietet. “Die Ansprüche der Konsumentinnen und Konsumenten und die Ansprüche der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger wandeln sich. Die Politik muss Antworten liefern”, meint Maurer. Aus dieser Grundhaltung heraus unterstützte die Migros einen indirekten Gegenvorschlag zur Trinkwasser- und Pestizidverbots-Initiative.   «Das Gute ist, dass jetzt die Bauern, der Handel und die Industrie gefordert sind, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.»
Gekommen ist es etwas anders: das Parlament hat in der Frühlingssession die Parlamentarische Initiative 19.475 “Das Risiko beim Einsatz von Pestiziden reduzieren” verabschiedet. Maurer wertet das Ergebnis der Beratungen positiv. “Der Bund hat die Ziele gesetzt. Das Gute ist, dass jetzt die Bauern, der Handel, die Industrie gefordert sind, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.”  

Die Migros versteht sich seit ihrer Gründung als Pionierin und will ihrem eigenen Anspruch als nachhaltigste Detailhändlerin genügen. Die Genossenschaft kann Ansprüche durchsetzen, die politisch nicht mehrheitsfähig sind – zum Beispiel das Verbot des Zitzenverklebens bei Viehschauen. “Wenn unsere Produkte und deren Herstellungsweisen Reputationsrisiken beinhalten oder gar gegen Vorschriften verstossen wird, dann müssen und wollen wir reagieren”, erklärt Maurer knapp.
  «Menschen entscheiden nicht immer rational nach wirtschaftlicher Logik.»
Auf die Frage, ob die Migros Konsumentinnen und Konsumenten zu falschem Konsum anleiten könnte, antwortet Maurer: “Menschen entscheiden nicht immer rational und nach wirtschaftlicher Logik. Empathie, Wünsche, Ängste spielen auch eine Rolle.” Und er fügt an: “Wir bieten den Kundinnen und Kunden laufend mehr nachhaltigere Produkte an. Das wollen wir auch.” Bestes Beispiel dafür sei die Umstellung des gesamten Trinkmilchsortiments auf Wiesenmilch von IP-SUISSE. “Wir freuen uns, diese Umstellung machen zu können”, sagt Maurer.  

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Ganz auf die Politik verzichten könne man trotzdem nicht. “Es gibt Ansprüche der Gesellschaft, die über die Politik an die Landwirtschaft herangetragen werden. Die damit verbundenen Kosten können nicht nur über den Verkaufspreis abgewälzt werden. Das wäre zu teuer”, sagt Maurer. Gute Rahmenbedingungen ermöglichten Lösungen gemeinsam mit den Landwirten und auf freiwilliger Basis. Ganz der Grundhaltung von Gottlieb Duttweiler verpflichtet sagt Maurer: “Die Freiwilligkeit ist der Preis der Freiheit.”
  «Nach den Abstimmungen kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen»
Für den 13. Juni rechnet Maurer zwar mit einem Nein, aber auch mit einem nicht zu unterschätzenden Ja-Anteil. Danach könne man nicht zur Tagesordnung übergehen. Mehr noch: Unabhängig vom Grad der Zustimmung müssten die Befürworter der Initiativen bei der nächsten Reformetappe der Agrarpolitik berücksichtigt werden. “Die Migros wird dabei ihren Weg weiter gehen und versuchen, den Anteil nachhaltiger Produkte auszubauen.”

 

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